Fakten
Drei Aspekte gibt es im irdischen Leben Jesu, die man mit den strengen Methoden der Wissenschaft deutlich erkennen kann und die zugleich einen sicheren Ansatzpunkt für unseren christlichen Glauben ergeben. Ganz kurz zusammengefaßt:

· das Auftreten Jesu, das buchstäblich aus dem Rahmen fällt: er läßt sich auf Menschen ein, die als von Gott Verstoßene, als Sünder gelten, auf Menschen, die gesellschaftlich und religiös an den Rand gedrängt sind, er wird deshalb als Kumpan der Zöllner und Sünder (Mt. 11,19) bezeichnet. Aber gerade diesen Menschen wollte er die entgegenkommende Liebe Gottes deutlich machen, er wollte ihnen zeigen, daß sie bei Gott nicht abgeschrieben sind: "Die Kranken brauchen den Arzt, nicht die Gesunden", sagt er (Mt. 9,12).
· die Lehre Jesu, die deutlich erkennen läßt, daß er sich als der bevollmächtigte Sprecher Gottes versteht: Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt worden ist (das heißt: das Gott zu den Vorfahren gesagt hat) ..., ich aber sage euch ... (Mt 5,21 f. u.ö). Die Staunenden sagen, er spricht "in Vollmacht" (Mk 1,22.27), seine Kritiker sehen es als Beleidigung Gottes (vgl. Mt 9,3) an.
· die einzigartige Gottesbeziehung Jesu: Die Ehrfurcht der frommen Juden vor der Unbegreiflichkeit Gottes ist so groß, daß sie nicht einmal seinen Namen nennen. Jesus hingegen spricht Gott als "Abba" (Mk 14,36), d.h. eigentlich "Papa" an.
Mit welchem Grund tritt Jesus mit diesem Anspruch auf? Ist es Selbstüberschätzung? Oder steht dahinter etwas ganz anderes? Am Ende seiner Lehrtätigkeit spitzt sich diese Frage ganz scharf zu. Die Verurteilung zum Tod wird zum Prüfstein: Für gläubige Juden war klar: Ein Gekreuzigter kann nicht der Erwählte Gottes sein. Wenn er nur Mensch ist, hat der Spuk damit ein Ende.
Auferstanden?!
Was nach Jesu Hinrichtung geschehen ist, kommt buchstäblich aus heiterem Himmel:
· ein leeres Grab, das nicht Jubel, sondern Schrecken auslöst. Da verließen sie (die Frauen) das Grab und flohen, denn Schrecken und Entsetzen hatte sie gepackt (Mk 16,8).
· es wird von Frauen entdeckt, die nach der damaligen Meinung als Zeugen nicht glaubwürdig waren: Auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab, fanden aber seinen Leichnam nicht (Lk 24,22f).
· erst durch Gott selbst, klärt sich die verwirrende Situation: Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen und hätten gesagt, er lebe (Lk 24,23). Und: Der Herr ist wirklich auferstanden und dem Simon erschienen (Lk 24,34).
Paulus, zuerst ein frommer Jude, der die Christen verfolgt, dann durch die Begegnung mit Christus zum Christenge worden, bringt ungefähr 25 Jahre später in seinem ersten Brief an die Korinther (15,17-20) die Situation auf den Punkt:
Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos, und ihr seid immer noch in euren Sünden... Wenn wir unsere Hoffnung nur in diesem Leben auf Christus gesetzt haben, dann sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen. Nun aber ist Christus von den Toten erweckt worden als der Erste der Entschlafenen...
Univ.-Prof. Dr. Bernhard Körner, Graz

MEINUNGEN

"Meinungen über Jesus gibt es viele, positive und negative. Aber die Diskussion über ihn ist nicht verstummt. Als man vor Jahren in einer großangelegten Umfrage, der sogenannten Shellstudie, die Meinung und Lebenseinstellung heutiger Jugendlicher erforschte, war in dem Themenkatalog, der den jungen Leuten zugesandt wurde, der Bereich der Religion völlig ausgespart. Dennoch haben gut 16 % der Einsender von ihrer Einstellung zu Religion und Kirche gesprochen. Dabei spielt die Gestalt Jesu eine große Rolle.

Ein sechzehnjähriger Gymnasiast schrieb ein Gedicht "Hoffnung":

Von zu Hause ausgerissen, Rumtreiber,

Hippie, nie was Anständiges gelernt:

Jesus Christus.

Aber doch ein Symbol

der Hoffnung für Frieden auf der Welt nicht mehr,

nicht weniger als Joan Baez und Harry Bellafonte heute,

Martin Luther King und Mahatma Gandhi gestern,

Abraham Lincoln und Karl Marx vorgestern,

und wir alle morgen.

Ein 24jähriger Arbeiter schrieb über Jesus: "Dieser Proletariersohn, der doch wohl am allerwenigsten Hoffnung haben durfte, von den Menschen erhört zu werden, hat sich nicht einschüchtern lassen, sondern ist von Dorf zu Dorf gezogen und hat den Leuten seine Wahrheit gesagt. Er hat damit eine Bewegung gegründet, die bis heute diese Wahrheit verkündigt. Ich glaube nicht, daß man diese Wirkung Jesu nur mit den Worten "Christus" und "Gottessohn" erklären kann, sondern diese Wirkung Jesu fordert uns doch ganz offensichtlich auf, es ihm gleichzutun, d. h. in Wort und vor allem in der Tat, seine Wahrheit weiterzusagen."

Bei einer anderen Umfrage sagte eine junge Krankenpflegerin: "Jesus ist stark und zärtlich zugleich, streng und freundlich, idealistisch und realistisch. Er ist vor allem ein guter Mensch, nicht nur in Worten, sondern in Taten. Von seiner Botschaft leben wir heute noch." Das kann dann auch einmal ganz aggressiv gegen die Erwachsenen gehen.

Ein Einsender schrieb: Auch euren Jesus kannste vergessen, denn er ist schon lange mausetot. Ihr habt den Anschluß verpaßt. Wir glauben an unseren Jesus. Den Gott der totalen Liebe. Er lehrt uns Gewaltlosigkeit, Offenheit, Verzeihen, Hoffnung und vor allem LIEBE.

Nur wenige äußern völliges Unverständnis, wie jener Siebzehnjährige: "Kann man oder muß man an jemanden glauben, den man weder gesehen noch gehört hat? Hat es Jesus überhaupt gegeben? Daß man heutzutage noch von Jesus spricht, ist mir unverständlich." Dr. Walter Klaiber, "Das kannst Du glauben", Rechte bei Edition Anker, Christliches Verlagshaus, Stuttgart

Hat Jesus Wunder gewirkt?

"...die Wunder Jesu sind Zeichen dafür, daß das Leiden besiegbar ist, sie sind somit eschatologische (endzeitliche) Zeichen.
Für die Menschen, die ihr Vertrauen darin gründen, daß Gott es mit dieser Schöpfung gut gemeint hat und daß mit dem Tod nicht das letzte Wort gesprochen ist, bedeuten die Wunder Jesu aber auch aktives Handeln. Aus der Botschaft der Wunder erwächst die Aufgabe im Sinn Jesu an der Beseitigung des Leidens in der Welt mitzuarbeiten. Die Wunderberichte sind darum nicht erbauliche Erzählungen aus vergangenen Zeiten, sondern rufen überall dort zu Verantwortung und Mitmenschlichkeit in dieser Welt auf, wo Armut, Hunger, Not, Schuld, Leiden und Grausamkeit anzutreffen sind."

Nach W. Trutwin, Evangelium Jesu Christi, mit zum Teil wörtlich zitierten Auszügen