
Es gibt viele Arten zu töten
Es gibt viele Arten zu töten.
Man kann einem ein Messer in den Bauch stechen,
einem das Brot entziehen,
einen von einer Krankheit nicht heilen,
einen in eine schlechte Wohnung stecken,
einen durch Arbeit zu Tode schinden,
einen zum Selbstmord treiben,
einen in den Krieg führen ...
Nur weniges davon ist in unserem Staat verboten.
aus: Brecht, B., Gesammelte Werke 12, Frankfurt/M. 1967, S. 466
DER AXTDIEB
Ein Mann fand seine Axt nicht. Er vermutete, daß der Sohn des Nachbarn
sie ihm gestohlen habe. Darum beobachtete er ihn genauer: Sein Gang und sein
Blick waren der eines Axtdiebes. Alles, was er tat, sah nach einem Axtdieb aus.
Nach einiger Zeit fand der Mann seine Axt wieder. Als er nun den Sohn des Nachbarn
traf, waren sein Gang und sein Blick nicht mehr der eines Axtdiebes.
Aus dem Chinesischen
Der Weltfriede ist unvermeidlich
1. Der Weltfriede ist notwendig. Man darf fast sagen: Der Weltfriede
ist unvermeidlich. Er ist Lebensbedingung des technischen Zeitalters. Soweit
unsere menschliche Voraussicht reicht, werden wir sagen müssen: Wir werden
in einem Zustand leben, der den Namen Weltfriede verdient, oder wir werden nicht
leben.
2. Der Weltfriede ist nicht das goldene Zeitalter. ... Dieser Weltfriede könnte
sehr wohl eine der düstersten Epochen der Menschheitsgeschichte werden.
Der Weg zu ihm könnte ein letzter Weltkrieg oder blutiger Umsturz, seine
Gestalt könnte die einer unentrinnbaren Diktatur sein. Gleichwohl ist er
notwendig.
3. Eben darum fordert der Weltfriede von uns eine außerordentliche moralische
Anstrengung. Er ist unsere Lebensbedingung, aber er kommt nicht von selbst,
und er kommt nicht von selbst in einer guten Gestalt. Seit die Menschheit besteht,
hat es, soweit wir wissen, den Weltfrieden nicht gegeben, etwas Beispielloses
wird von uns verlangt.
Carl Friedrich von Weizsäcker
Friede muß gewagt werden
Wie wird Friede? Durch ein System von politischen Verträgen? Durch Investierung
internationalen Kapitals in den verschiedenen Ländern? D.h. durch die Großbanken,
durch das Geld? Oder gar durch eine allseitige friedliche Aufrüstung zum
Zweck der Sicherstellung des Friedens?
Nein, durch dieses alles aus dem einen Grunde nicht, weil hier überall
Friede und Sicherheit verwechselt wird. Es gibt keinen Weg zum Frieden auf dem
Weg der Sicherheit. Denn Friede muß gewagt werden, das ist ein großes
Wagnis, und läßt sich nie und nimmer sichern. Dietrich Bonhoeffer
Tägliches Brot
Essen können statt zu hungern, ist Frieden.Trinken können, statt zu
dürsten,warm haben, statt zu frieren, ist Frieden.Schutz finden in einem
Haus,arbeiten können und seine Kraft einsetzen dürfen,das alles ist
Friede, ist tägliches Brot.Einen Menschen haben, mit dem man vertraut ist,sich
nicht ängsten müssen vor Einsamkeit,vor Streit und Haß und vor
der Hölle des Krieges.Sich nicht ängsten müssen um Kinder, Eltern
oder Freunde,das alles ist das Brot, das wir täglich brauchenund für
das wir täglich danken.Unser täglich Brot, von dem wir leben,ist auch
das Wort eines Menschen.Wir können nicht leben,wenn nicht das Wort zu uns
kommt,das ein anderer Mensch zu uns spricht.Vertrauen muß darin liegen,Weisung
muß es geben, Klarheit und Freundlichkeit.Es ist kein Friede, wo Menschen
nicht miteinander sprechen. Jörg Zink
Friede als Werk der Gerechtigkeit (Jes 32, 15-18)
32:15 Wenn aber der Geist aus der Höhe über uns ausgegossen wird,
dann wird die Wüste zum Garten, und der Garten wird zu einem Wald.
32:16 In der Wüste wohnt das Recht, die Gerechtigkeit weilt in den Gärten.
32:17 Das Werk der Gerechtigkeit wird der Friede sein, der Ertrag der Gerechtigkeit
sind Ruhe und Sicherheit für immer.
32:18 Mein Volk wird an einer Stätte des Friedens wohnen, in sicheren Wohnungen,
an stillen und ruhigen Plätzen.
Abrüsten statt Wettrüsten Papst Johannes
XXIll.
Im Rundschreiben "Pacem in terris" (=Frieden auf Erden) schreibt Papst
Johannes XXIll. 1963:
... Wenn auch die ungeheuere militärische Rüstung heute die Menschen
davon abschrecken dürfte, einen Krieg zu beginnen, so besteht dennoch Grund
zur Befürchtung, daß die schon für Kriegszwecke unternommenen
Kernwaffenexperimente, wenn sie nicht aufhören, die verschiedenen Arten
des Lebens auf Erden in schwere Gefahr bringen können.
Deshalb fordern Gerechtigkeit, gesunde Vernunft und Rücksicht auf die Menschenwürde
dringend, daß der allgemeine Rüstungswettlauf aufhört; daß
ferner die in verschiedenen Staaten bereits zur Verfügung stehenden Waffen
auf beiden Seiten und gleichzeitig vermindert werden; daß Atomwaffen verboten
werden; und daß endlich alle auf Grund von Vereinbarungen zu einer entsprechenden
Abrüstung mit wirksamer gegenseitiger Kontrolle gelangen. ... Dies setzt
aber voraus, daß an die Stelle des obersten Gesetzes, worauf der Friede
sich heute stützt, ein ganz anderes Gesetz trete, wonach der wahre Friede
unter den Völkern nicht durch die Gleichheit der militärischen Rüstung,
sondern nur durch gegenseitiges Vertrauen fest und sicher bestehen kann.
aus: KAB (Hg.), Texte zur katholischen Soziallehre, Kevelaer 41977, S. 302